Rezensionen von A-Z

Montag, 12. September 2016

Rezension zu "Das Mädchen mit den gläsernen Füßen" von Ali Shaw

Schreibstil

Shaw schreibt verwinkelt und bildhaft. Manche Sätze musste ich doppelt lesen, damit sich endlich deren Sinn entfaltete, dennoch hielten sich eben diese in Grenzen, sodass ich flüssig vorankam.

Charaktere

Midas Crook ist ein seltsamer junger Mann mit einer schweren Kindheit, der stets mit seiner Kamera umherläuft und Bilder in schwarz-weiß schießt, in denen er das Licht einfängt. Zusätzlich ist er ein Feigling, was zwar nicht genau benannt wird, sich jedoch in etlichen Situationen zeigt. Dennoch blieb er mir sympathisch.

Ida Maclaird ist eine junge, lebensfrohe Frau, deren Füße sich langsam in Glas verwandeln. Auf ihr lastet die Vergangenheit nicht allzu schwer, die Gegenwart und vor allem Zukunft machen ihr mehr Probleme, vor allem, seitdem das Glas ihre Beine hochkriecht.

Es kommen noch einige Nebencharaktere vor, aus deren Sicht diverse Kapitel spielen, allerdings scheinen sie alle ein und denselben Hintergrund zu haben: Sie lieben jemanden, können jedoch nicht mit ihm zusammensein. Auch die Nebencharaktere besitzen alle ein Eigenleben und wirken durch und durch lebendig.

Umgebung

Shaw besitzt ein besonderes Talent, Atmosphäre einzufangen, besonders, wenn es an die Umgebungsbeschreibung geht. Als Leserin tauchte ich förmlich in St. Hauda’s Land ein, wandelte im Moor, spazierte durch Bars, Catherine’s Blumenladen und die Küste entlang, saß mit Midas und Ida im Boot auf der glitzernden See, wanderte durch dichten Nebel und begegnete hier und dort geflügelten Rindern und dem unheimlichen Wesen, das alles mit einem Blick in weiß verwandelt.

Plot

Der Titel hält, was er verspricht. Es geht fast im gesamten Buch um die gläsernen Füße des Mädchens und wie das Erscheinen Idas das Leben von Midas auf den Kopf stellt. Auch formen sich hier und dort Nebenstränge zusammen, die teilweise am Ende aufgelöst werden.

Ende

Besonders gefallen hat mir hier, dass ich durch ein Nebenkapitel mitbekam, dass eventuell eine Lösung für das Glas, das Menschen einnimmt, vorhanden ist oder gefunden werden könnte. Ich habe stark mitgefiebert. Wie es ausgeht, verrate ich nicht, das muss wirklich jeder selbst erleben.

Aufgrund der vielen Nebencharaktere fand ich das Buch doch relativ in die Länge gezogen. Bei vielen hätte es gereicht, sie lediglich aus der Sicht Midas’ oder Idas zu erleben, damit diese Nebencharaktere ein wenig mysteriöser wirken. Durch ihre eigenen Kapitel verflog alles Mysteriöse und ich wusste sie direkt einzuschätzen. Dadurch ging die Spannung ein wenig flöten.

Ich vergebe 4 Sterne für dieses wunderschöne Buch!

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