Rezensionen von A-Z

Montag, 12. September 2016

Rezension zu "Der Name des Windes" von Patrick Rothfuss

Klappentext

»Vielleicht habt ihr von mir gehört« ... von Kvothe, dem für die Magie begabten Sohn fahrender Spielleute. Das Lager seiner Truppe findet er verwüstet, die Mutter und den Vater tot - »sie haben einfach die falschen Lieder gesungen«. Wer aber sind diese Chandrian, die weißglänzenden, schleichenden Mörder seiner Familie? Um ihnen auf die Spur zu kommen, riskiert Kvothe alles. Er lebt als Straßenjunge in der Hafenstadt Tarbean, bis er auf das Arkanum, die Universität für hohe Magie aufgenommen wird. Vom Namenszauber, der ihn als Kind fast das Leben gekostet hätte, erhofft sich Kvothe die Macht, das Geheimnis der sagenumwobenen Dämonen aufzudecken.

Im Mittelpunkt dieses Leseabenteuers steht ein großer Magier und leidenschaftlicher Wissenschaftler, ein Musiker, dessen Lieder die Sänger zum Weinen bringen ... und ein schüchterner Liebhaber.

Schreibstil

Rothfuss hat einen ausgesprochen angenehmen, gut lesbaren und flüssigen Schreibstil. Zusätzlich gepaart mit dem Talent Situationen lebendig werden zu lassen, ergibt das für mich eine perfekte Mischung. Als Leserin fühlte ich mich keine Minute von seinem sehr langen Werk gelangweilt und brenne darauf, wie es weitergeht.

Charaktere

In Zentrum seiner Geschichte steht Kvothe. Zuerst begegnet man ihm als mysteriösem Schankwirt, der sich dann einem Chronisten offenbart und seine Lebensgeschichte erzählt. Beginnend bei seiner Kindheit bei dem Spielvolk Edema Ruh bis hin zu seiner glorreichen, aber auch nicht ungefährlichen Zeit an der Universität – Kvothe beeindruckt. Mich als Leserin hat er völlig überzeugt und in seinen Bann geschlagen. Sowohl passieren ihm schreckliche Dinge, die ihn arg mitnehmen, aber er rappelt sich langsam wieder auf. Wiederum geschehen Ereignisse, die sich zufällig als ausgesprochen wohlwollend in sein Leben integrieren. Zu keiner Zeit hatte ich das Gefühl, Kvothe wäre ein Fremder für mich oder seine Lebensgeschichte nähme eine Wendung, die nicht plausibel wäre. Ich war mit ihm gemeinsam unterwegs, wechselte die Städte, wuchs mit ihm auf und verstand seine Handlungsweise. Super!

Umgebung

Auch die Umgebungen spielen in diesem Werk eine bedeutende Rolle. Ob er nun mit dem Edema Ruh unterwegs ist und Städte besucht, allein durch die Wälder zieht, sich durch Tarbeans Viertel schlägt oder in Imre in einem Gasthaus spielt – ich fühlte mich daheim. Auch wenn es mal vor Unsicherheit und Gefahr strotze, so fühlte ich mich als Leserin niemals fehl am Platze. Mittendrin statt nur dabei, ganz klar. Auch hat sich Rothfuss viele tolle Kleinigkeiten einfallen lassen, die seine Welt mächtig, gefährlich und heimisch erscheinen lässt und die seine Charaktere in Gefahr bringt, rettet oder durchs Leben stolpern lässt.

Plot

Anfangs war ich ein wenig verwirrt. Mir war nicht ganz klar, worauf die Geschichte mit dem Wirtshaus hinaus laufen sollte, doch nach einiger Zeit ergab alles Sinn. Der Plot ist schlichtweg: Wie Kvothe aufwuchs und wie er zu dem wurde, was er heute ist. Leider wird das in diesem Buch noch nicht ganz geklärt, deswegen muss ich unbedingt weiterlesen! Dennoch ein Plot, der einen roten Faden hat, selbst wenn etliche Nebengeschichten eine Rolle spielen. Es sind vergnügliche Zweige, die ich gern gelesen habe.

Ende

Ja, das Buch musste irgendwann eines haben. Es ist kein Cliffhanger im ursprünglichen Sinne, lässt mich als Leserin ein wenig beruhigt, aber auch total neugierig zurück. Verständlicherweise musste diese Chronik aufgeteilt werden, sonst hätte sie wahrscheinlich an die 2000 Seiten gehabt. Demnach freue ich mich schon sehr aufs nächste Werk (das ich mir erst noch kaufen muss).

Fazit

Selten habe ich so etwas Gutes gelesen! Ich bin derart begeistert, dass ich am liebsten sechs Sterne vergeben würde, aber da mein Bewertungssystem etwas anderes vorsieht, gebe ich 5 stolze Sterne! Jedem, der Fantasy liebt, wird dieses Buch auch mögen – natürlich gehört dazu ein langer Atem, denn 860 Seiten lesen sich nicht eben weg, zumindest nicht mit der Fülle, die Rothfuss vorlegt. Fest steht nur: Bislang schafften es nicht sonderlich viele Bücher, ein derart tiefes Verbundenheitsgefühl in mir auszulösen, dass ich mir sicher bin, es wieder zu lesen und es bis ans Ende meiner Tage behalten zu wollen. Das hier ist für mich ein ganz besonderes Buch!

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