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Montag, 12. September 2016

Rezension zu "Shadow Falls Camp 01 - Geboren um Mitternacht" von C. C. Hunter

Schreibstil

Hunters Schreibstil ist besonders einfach gestrickt. Kam ich anfangs damit gut klar, nervte er mich im Laufe des Buchs. Oft verloren Szenen durch das viele Passiv an Schwung und klangen langweilig,
weil es mich als Leserin außen vor lässt und ich so das Gefühl vermittelt bekam, in einem Geschichtsbuch zu blättern, wo alles längst an mir vorbeigezogen ist. Auch einige Raffungen empfand ich als besonders schade, weil ich manche Szenen gern erlebt hätte, als nur von ihnen erzählt zu bekommen. Im Gegensatz dazu baute Hunter Szenen aus, die mehr als sterbenslangweilig waren und sich fast ausschließlich im “Bin ich nun in den Typen verknallt oder in den anderen?”, “Welcher Typ ist am heißesten?” und “Wie soll ich mich zwischen zwei Typen nur entscheiden? Ich bin das ärmste Mädchen der Welt!”-Stil befanden. DAS hätte sie sich meiner Ansicht nach beileibe sparen können, dafür Szenen mit ihren Freundinnen und Eltern ausbauen sollen.

Charaktere

Kylie Galen, um die es sich dreht, wirkt anfangs nicht so oberflächlich, wie sie sich später entwickelt. Die Scheidung ihrer Eltern, die Tatsache, dass sie gerade von ihrem Freund verlassen wurde – die Gefühle, denke ich, kann fast jeder gut nachempfinden. Allerdings ist es damit fast vorbei, sobald sie im Camp ankommt. Hin und wieder jammert sie über ihren Exfreund, der auch noch im Camp vorbeischaut, doch meistens geht es nur um Derek oder Lucas und für wen sie denn nun mehr empfindet. Auch die Identitätskrise, weil sie bislang nicht wusste, dass sie gar kein Mensch ist, lässt sich nachvollziehen, wird aber vom Liebesgeplänkel überschattet. Die Tatsache, dass sie auf insgesamt 500 Seiten mit 3 Typen knutscht distanzierte mich nur noch mehr von ihr. Zusätzlich weiß Kylie am Ende des Buchs immer noch nicht, was sie ist. Meh!

Derek/Lucas sind einmal eine Halbfee und ein Werwolf. Statt aber wirklich etwas über sie in Erfahrung zu bringen (und deren übernatürliche Kräfte) bleiben die beiden relativ blass, außer dass ich nun weiß, wie heiß die beiden sind :/ Deswegen fasse ich sie hier auch als eine Person zusammen, da man nichts wirklich über sie erfährt.

Miranda bleibt als Hexe eher eine untergeordnete Nebenfigur, über die man nicht viel erfährt. Sie hat dreifarbige Haare, zaubert mit dem kleinen Finger und ist Legasthenikerin, was ihre Magie teilweise verhunzt, da sie sich ihre Zaubersprüche nie direkt merken kann. Das hätte Hunter ausbauen sollen! Mir allein fallen so viele urkomische Witze und Sachen dazu ein … aber so wirklich hat sie die kleine Hexe nicht umgesetzt, außer eine Sache, die dann auch noch einen bitteren Nachgeschmack hat.

Della als Vampir ließ schon etwas mehr durchblicken und ist mir trotz ihrer aufbrausenden Art sehr sympathisch, denn sie hat im Gegensatz zu den anderen Figuren tatsächlich Charakter! Bei ihr geht Hunter ein wenig mehr in die Tiefe, was Della sympathisch macht, selbst wenn mir die Thematik “Vampir” inzwischen zu den Ohren raushängt. Della kann dennoch überzeugen!

Umgebung

Keine Ahnung. Gab es da eine? Es wird ab und an von einem See (in dem sie dann einmal mit Lucas landet und herumknutscht und gleich darauf taucht natürlich ihr Ex auf, der in einem Nachbarcamp seinen Sommer verbringt) und einem Wasserfall geredet (der dem Camp sogar den Namen gibt), doch außer dass Kylie da immer unbedingt hin will (und eine gaaaanz mystische Anziehung empfindet), aber es nie umsetzt, weiß ich echt wenig. Auch wie die Hütten aufgereiht sind, in denen die hormongeplagten Jugendlichen wohnen, ist mir ein Rätsel. Ach ja, Schlangen gibt es da. Und ein Wildpark ist in der Nähe. Aus dem ein Löwe ausbüchst. Und natürlich in Kylies Zimmer landet. -_-

Plot

Ich seufze wieder. Laut Klappentext hatte ich folgende Erwartung:

1. Da sind Übernatürliche, Kylie weiß noch nicht, was sie ist, sie findet es heraus.

2. Kylies Leben ist ziemlich im Eimer, aber sie lernt, dass sie stark ist und es durchstehen kann, gerade nachdem sie erfährt, dass sie kein Mensch ist.

3. ALLE müssen am Ende ihre Kräfte einsetzen, um das Camp zu retten!

Bekommen habe ich: Eine GROßE Tüte Rumgejammer, wie unfair das Leben ist (mit einer kleinen Tüte wäre ich noch einverstanden gewesen), dass Kylie kein Freak sein will, dass es so schwer ist, sich zwischen zwei, nein, warte … drei (!) Jungs zu entscheiden; In dieser Tüte befand sich ein Teller Unverständnis, weil ich selbst jetzt nicht weiß, was Kylie ist (aufgrund der platten Erzählung, denke ich jedoch, dass ich mit meiner Vermutung richtig liege), gelegen an halbgegargten Nebenplots, von der nur eine die Auflösung bekam; Garniert wird das Ganze noch mit einem mehr oder minder spannenden Ende, bei der *nachzähl* 3 von 5 Jugendlichen ihre übernatürlichen Kräfte einsetzen müssen, während eine Hexe und eine Fee lieber menschliche Ohnmachtsanfälle markieren oder Handydiebstahl begehen.

Fazit: Im Klappentext wird viel mehr Plot angedeutet, als das Buch tatsächlich besitzt.

Ende

Das Buch hatte eins. Gott sei Dank! Leider blieben so viele Fragen offen, auf die ich die Antwort inzwischen nicht mal mehr wissen will. Teil 2 – ohne mich!

Anmerkung

Gibt es kein Jugend-Fantasy á la Harry Potter, Percy Jackson und co mehr? Muss alles mit “superheißen Typen” und dümmlichen Tussis verbunden sein?ARGH! Wenn ja, dann, liebe Verlage, schreibt es doch bitte auf den Klappentext, damit ich mein weniges bis nicht vorhandenes Geld nicht an diese Art von Literatur ausgebe!

Bewertung

Aufgrund des guten ersten Drittels und der sehr sympathischen Della vergebe ich 1 1/2 Sterne, aufgerundet zu 2.

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